Neue Kampagne der WHO gegen Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen

Jun 19, 2019 | ABNW-News

„Die Antibiotikaresistenz droht, 100 Jahre medizinischen Fortschritts zunichte zu machen“. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO, findet drastische Worte für die aktuelle Situation.

Laut Daten der WHO sind weltweit etwa 50% der Antibiotikatherapien unangemessen, beispielsweise werden häufig Antibiotika mit zu breitem Wirkspektrum eingesetzt. Außerdem kommen Antiinfektiva nach wie vor zu häufig bei viralen Infekten zum Einsatz, zeigen hier allerdings keine Wirksamkeit. Dadurch wird die Resistenzentwicklung vorangetrieben, was in einem Wirkungsverlust häufig eingesetzter Mittel resultiert.

Die WHO pflegt bereits seit Jahren eine Liste essentieller Medikamente (EML), laut dieser werden Antibiotika nach dem AWaRe- Prinzip in drei Kategorien eingeteilt: „Access“, „Watch“ und „Reserve“. Darauf basiert auch die neue AWaRe- Kampagne: Medikamente der ersten Gruppe besitzen ein eher schmales Wirkspektrum und sollen bevorzugt für empirische Therapien zum Einsatz kommen, Mittel der zweiten und dritten Gruppe müssen zurückhaltender eingesetzt werden.

Ziel der Kampagne ist es, die Resistenzausbreitung zu verringern und den Gebrauch von Antiinfektiva effektiver zu machen. Antibiotika der Gruppe „Access“ sollen bis 2033 etwa 60% aller eingesetzten Antibiotika ausmachen, während Medikamente der anderen Gruppen entsprechend reduziert werden müssen.

Erreicht werden soll das, indem Länder den Antibiotikagebrauch, entsprechend der AWaRe- Kategorisierung, in Human- und Veterinärmedizin sowie im landwirtschaftlichen Gebrauch überwachen und melden. Außerdem soll der AWaRe- Index Eingang in ABS- Programme finden und in entsprechende Leitlinie übernommen werden.

Weitere Informationen: WHO 1 2