Masern weiterhin auf dem Vormarsch?

Mai 25, 2018 | ABNW-News

Allein in diesem Jahr sind bereits 233 Masernfälle an das Robert-Koch-Institut gemeldet worden. Im Jahr 2017 wurden mit 930 übermittelten Masernfällen 3-mal mehr als im Vorjahr verzeichnet. Sind Masern wieder auf dem Vormarsch? Ist die von der WHO für Europa angestrebte Elimination des Virus noch realistisch?
Das Masernvirus betrifft vor allem Kinder und Jugendliche. Aber auch ungeimpfte Erwachsene können sich infizieren.
Neben den bekannten Symptomen wie Fieber, Entzündungen der oberen Atemwege und der charakteristischer Hautausschlag, sind vor allem die Komplikationen gefürchtet. Diese reichen von Mittelohrentzündungen über Lungen- bis hin zu Gehirnentzündungen. Als Spätkomplikation kann es noch Jahre nach der Infektion zur Ausbildung einer subakuten sklerosierenden Panenzphalitis kommen, bei der es keine Therapiemöglichkeiten gibt und die immer tödlich endet. Weiterhin folgt auf eine Maserninfektion nicht selten eine passagere Immunschwäche, die über Monate und Jahre persistieren kann.
Ein wirksamer Schutz gegen das Virus und die damit einhergehenden Risiken kann mit der von der STIKO empfohlenen Masern-, Mumps- und Rötelnlebendimpfung aufgebaut werden. Der verfügbare Impfstoff sollte bei Kleinkindern erstmals im Alter von 11 bis 14 Monaten und ein weiteres Mal zwischen dem 15 und 23 Lebensmonat appliziert werden. Auch Erwachsene mit unklarem oder unzureichendem Impfstatus sollten zumindest die Einmaldosis erhalten.
Die WHO hat die Elimination des Erregers in Europa ursprünglich für 2015 geplant. Die Inzidenzraten sollten pro Jahr nicht höher als 1 Patient/1 Millionen Einwohner sein. Mit jährlich schwankenden Fallzahlen zwischen 200 und 2500 konnte dieser Richtwert bislang nicht erreicht werden.
Von den diesjährigen Patienten waren 84% ungeimpft. Die Impfung schützt nicht nur den Einzelnen. Besonders Kinder, die noch nicht im impffähigen Alter sind, sind auf den Herdenschutz durch eine hohe Impfquote innerhalb der Gesamtbevölkerung angewiesen. Die Sterblichkeit durch die Maserninfektion ist insbesondere in dieser Altersgruppe hoch.
Um dies in Zukunft zu ändern, ist im Rahmen des Eliminationsprogramms eine Erhöhung der MMR-Impfraten auf 95% der Gesamtbevölkerung das Ziel. Der Erfolg der Initiative ist somit von jedem Einzelnen abhängig. Masern werden von vielen Patienten als harmlose Kinderkrankheit abgetan. Die weitreichenden Auswirkungen durch dabei entstehende Komplikationen sind nur wenigen bekannt. Daher liegt es vor allem in der Hand der Kinder- und Allgemeinärzte den Impfpass regelmäßig zu sichten und bei einem unzureichenden Impfstatus über eben diese Komplikationen aufzuklären.
Durch die Verbreitung von Informationen in der Bevölkerung, auch mit Kampagnen wie „Deutschland sucht den Impfpass!“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, ist zu hoffen, dass die Impfrate der MMR-Impfung ansteigt und das von der WHO gestellte Ziel in den nächsten Jahren doch noch erreicht werden kann.

Quelle: https:\\ww.rki.de, Stand 23.05.2018, epidemiologisches Bulletin 20/2018