Entwicklung neuer Strategien in der HIV-Therapie

Aug 5, 2019 | ABNW-News

Weltweit leben rund 38 Millionen Menschen mit HIV. Jährlich infizieren sich circa 1,7 Millionen neu. Internationale Programme und Strategien, wie z.B. die Fast-Track Strategy der UN, sehen die Beendigung der AIDS-Epidemie bis 2030 als globales Ziel an. Dies soll durch die Förderung sowohl von Maßnahmen zur Transmissionsverhinderung als auch von effektiven Therapiemöglichkeiten realisiert werden.

Die Behandlung stellt aktuell die kombinierte antiretrovirale Therapie (cART) dar. Die Kombination mehrerer antiviraler Medikamente hat in den letzten Jahren ermöglicht, dass HIV-Patienten eine nahezu normale Lebenserwartung haben. Ein Fortschreiten der Immundefizienz wird durch sie gebremst. Allerdings kommt es auch vor, dass die Wirkstoffe von einigen der Patienten nicht vertragen werden. Auch ein Nichtansprechen und Therapieversagen kann auftreten. Daher ist die Entwicklung neuer geeigneter Therapien gegen AIDS kontinuierlich Gegenstand der Forschung.

Unter 1% der HIV-infizierten weisen auch ohne antivirale Therapie keinen Progress der Infektion auf. Eine Zunahme der Viruslast konnte bei solchen Patienten auch 10 Jahre nach Infektion nicht nachgewiesen werden.

Forscher des Institut Pasteur konnten nun die Charakteristika der CD8- Lymphozyten solcher Patienten entschlüsseln. Im Gegensatz zu anderen HIV-Patienten vernichten diese schneller infizierte CD4-Zellen und können die Infektion damit in Schach halten.

Der Unterschied findet sich in der molekularen Struktur der CD8-Lymphozyten. Anti-HIV-CD8 Zellen sind für längere Überlebenszeiten programmiert und haben ein ausgeprägter antivirales Potential. Entscheidend ist hierbei die Energieversorgung der Zellen durch Mitochondrien, welche im Gegensatz zu der von „normalen“ CD8Zellen deutlich gesteigert ist.

Im Labor war es den Wissenschaftlern möglich die mitochondriale Aktivität von CD8-Zellen zu stimulieren. Hierzu nutzten sie das Interleukin 15. Die so veränderten CD8-Zellen waren im Stande infizierte CD4 Zellen im gleichen Umfang zu zerstören wie die der progressfreien Patienten.

Dieses Prinzip der molekularen Umprogrammierung von Immunzellen wird aktuell bereits in klinischen Studien für Krebstherapien getestet. Nun ist eine Anwendung dieser Technik auch für die Entwicklung neuer Therapien gegen AIDS denkbar.

Quellen: Pasteur.fr Artikel – Stand 02.08.2019