Prägende Immunreaktion im Säuglingsalter entdeckt

Mrz 26, 2019 | ABNW-News

Die Ernährungsumstellung von der Muttermilch auf feste Nahrung erhöht die Anzahl der Darmbakterien und führt zu einer prägenden Immunreaktion. Dies konnten kürzlich Wissenschaftler des Institut Pasteur an Mäusen beobachten. Die stattfindende Immunreaktion ist dabei essentiell für das Training des Immunsystems und führt im Erwachsenenalter zu einer geringeren Anfälligkeit gegenüber entzündlichen Erkrankungen wie Allergien, Entzündungen des Darmes, Autoimmunkrankheiten und Krebs. Diese Beobachtungen wurden am 19.März 2019 im Journal Immunity publiziert.

Besonders allergische- und Autoimmunerkrankungen haben in den letzten Jahrzehnten in Industrieländern stark zugenommen. Beobachtungen, dass Kinder, die auf Bauernhöfen leben deutlich seltener an ihnen erkrankten, führten zum postulieren der Hygienehypothese. Eine reduzierte Exposition gegenüber Bakterien im Kindesalter kann demnach später zu einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Allergien und Autoimmunkrankheiten führen.

Bei Neugeborenen ist die Zusammenstellung des Darmmikrobioms vorrangig bestimmt durch die Bakterien, welche sie während der Geburt von ihren Müttern und durch die Muttermilch erhalten. Vor allem Bifidobakterien und Lactobazillen sollten dominieren. Während der Umstellung auf feste Nahrung, steigt die Anzahl der Bakterien des Mikrobioms um das 10- bis 100-fache. Wissenschaftler des Institut Pasteur fanden heraus, dass dieses Phänomen eine intensive Immunreaktion auslöst, welche entzündliche Erkrankungen vorbeugt.

Dabei zeigte sich, dass dieser Prozess in einem bestimmten Zeitpunkt des Lebens stattfindet: bei Mäusen zwischen der zweiten und vierten Woche, was bei Menschen dem dritten bis sechsten Lebensmonat entsprechen würde.

Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler feststellen, dass eine Antibiotikatherapie der Mäuse während dieses kritischen Zeitfensters zu einer Risikoerhöhung für entzündliche Erkrankungen führte. Nahrungsmittelallergien, Dickdarmkrebs und Entzündungen des Darmes traten bei diesen Mäusen im Verlauf deutlich häufiger auf.

Die Wissenschaftler entdeckten weiterhin, dass spezifische regulatorische T-Zellen in diesem Prozess eine Rolle spielen und für eine Balance der Immunreaktion sorgen. Ohne sie fällt diese zu stark aus, sodass sie zum gehäuften Auftreten entzündlicher Erkrankungen führen kann.

Beitrag auf pasteur.fr [abgerufen am 25.03.2019]