Antibiotika, eine der segensreichsten Erfindungen in der Medizin, drohen in ihrer Wirkung nachzulassen. Vielfach wird sogar schon von einer post-antibiotischen Ära in der Medizin gesprochen. Einer der wichtigsten Gründe hierfür ist der übermäßige Einsatz dieser Substanzen mit der Folge der Entstehung von resistenten bzw. multiresistenten Bakterien.

Weiterhin haben Antibiotika vielfältige Nebenwirkungen, die häufig unterschätzt werden. Ungefähr 85 Prozent aller Antibiotikaverordnungen in der Humanmedizin betreffen den ambulanten Bereich, und Studien haben gezeigt, dass besonders dort ein erhebliches Potential zur Reduktion von Antibiotikaverordnungen liegt. So betreffen zum Beispiel 50 Prozent aller Antibiotikaverordnungen akute Erkrankungen des oberen Respirationstraktes, obwohl diese bis zu 90 Prozent durch Viren verursacht werden. Weitere Fragen, die im klinischen Alltag immer wieder auftauchen, betreffen Behandlungsdauer, Substanzwahl und die Frage, wann die Therapie deeskaliert wird.

Im stationären Bereich wird im Rahmen von Antibiotic-Steward-ship bereits der rationale Umgang mit Antiinfektiva vorangetrieben, in dem ein interdisziplinäres Expertenteam in die Patientenversorgung mit einbezogen wird. Im ambulanten Bereich ist eine derartige strukturierte Unterstützung bei infektiologischen Fragestellungen noch nicht etabliert.

Das Antibiotikanetzwerk Sachsen, das vom Klinikum St. Georg gGmbh Leipzig organisiert wird, ist ein Projekt, welches es sich zur Aufgabe macht, den Umgang mit Antibiotika weiter zu optimieren und sich dabei nicht nur an stationäre, sondern auch an ambulante Gesundheitsdienstleister in ganz Sachsen wendet.

Im Rahmen des Projekts werden infektiologische Daten gesammelt und aufbereitet. Dabei ist es ein langfristiges Ziel, Diagnose-, Verordnungs- und Patientenstammdaten mit Informationen zu Erregern und Resistenzen zu verknüpfen, um daraus verlässliche Verordnungsempfehlungen abzuleiten.

Ein weiteres Bestreben des Projektes ist der Aufbau einer telemedizinischen Plattform zur Beratung von interessierten niedergelassenen Ärzten. Die Vorteile dieser Konsile gegenüber telefonischer Anfragen liegen klar auf der Hand: ständige und gesicherte Verfügbarkeit sowie bessere Dokumentationsmöglichkeiten und Belastbarkeit.

Zusätzlich zur Anbindung an diese Plattform profitieren kooperierende Mediziner im ambulanten Sektor von einer kostenfreien Beratung zu infektiologischen Fragen und Schulungen zur Antibiotikatherapie. Dadurch kann eine Rückmeldung zu eigenen Therapieentscheidungen und Verschreibungsverhalten gegeben werden.